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NOCH SCHNELLER STUDIEREN?
 

(431 Wörter)

Noch schneller studieren?

Abitur nach zwölf Jahren, drei Jahre später Akademiker inklusive Auslandserfahrung, und wenn man ein duales Studium wählt, ist sogar noch ein Facharbeiterbrief dabei. Tolle Leistung. Auf der anderen Seite gehen wir viel später in Rente, müssen länger arbeiten. Also was soll diese Hektik?


Sollten die von Herrn Prof. Lenzen, Präsident der Freien Universität Berlin, und den 74 weiteren hochkarätigen Bildungsexperten gemachten Vorschläge[1] wahr werden, dann beginnt die Schule bereits mit vier Jahren, mit 21 Jahren hat man das zivile Pflichtjahr hinter sich und das Hochschuldiplom in der Tasche. Das ist eine rasante Geschwindigkeitserhöhung, denn heute ist das Durchschnittsalter der Abiturienten 20,1 Jahre, der Bachelor-Absolventen 26 Jahre und der Uni-Absolventen 28,2 Jahre.[2]

Auf der anderen Seite gibt es die demografische Entwicklung. Kinder werden immer weniger geboren und wir werden immer älter. Damit die Renten überhaupt noch finanziert werden können, muss natürlich das Rentenalter erhöht werden, also wir müssen länger arbeiten. Die neuesten Untersuchungen des Wiener Instituts für Demografie[3] gehen davon aus, dass man im Jahr 2050 bis 73 arbeiten muss, da man danach die Rente immer noch so lange in Anspruch nehmen wird wie heute.
Wenn man also mit 21 Jahren sein Diplom in der Tasche hat, erwarten einen mehr als 50 Jahre Berufstätigkeit bis zur Rente. Das ist eine lange Zeit.

Und genau darüber sollte man sich im Klaren sein. Das Schlechteste, was man tun kann, ist direkt nach der Hochschule Karriere machen zu wollen. Wenn man Pech hat, gelingt einem dies bis dreißig, und dann hat man immer noch 40 Berufsjahre vor sich, dieses Mal allerdings ohne die „goldenen Zwanziger“, denn die hat man bereits hinter sich.

Viel besser wäre es, wenn man erst einmal seinen Erfolg genießt und sich vielleicht ganz locker auf die gute alte Wanderschaft begibt. Einen berufsqualifizierten Abschluss hat man in der Tasche, was soll schon passieren? Mal nach Botswana fliegen und sehen, ob man dort gebraucht wird, das wäre eine interessante Variante. Eine Assistententätigkeit in Coimbra oder Bratislava würde auch etwas Salz in die Suppe bringen, und ein Theaterkurs in Palermo fördert vielleicht gerade die Soft Skills, die man braucht, um seine Traumposition zu finden. Es ist eigentlich egal, wofür man sich entscheidet, Hauptsache, man hat den Mut, das zu tun, was einem Spaß macht.

Mit 30 kann man sich dann um die erste ernsthafte Stelle bewerben und Karriere machen, oder ein Familie gründen und sich um die Kinder kümmern. Mit 40 wäre es vielleicht an der Zeit, die gemachten Erfahrungen mit einem Masterkurs zu verbinden. Danach hat man immer noch 30 Berufsjahre vor sich, und das sollte genug sein.

[1] Bildung neu denken, ISBN 3-8100-4110-6
[2] Uni Magazin 4 und 5, 2006
[3] Max-Planck-Institut Rostock 2006, 2-3




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