Sie sind hier: Presse Pressearbeit Interviews & Artikel  
 PRESSEARBEIT
Interviews & Artikel
Pressemitteilungen
Produktfotos
Fotos des Autors
Kommentare-Buch
Kommentare-CD
Kommentare DVDs
Freebies
 PRESSE
Pressemappe
Pressearbeit

LOHNT SICH EIN STUDIUM ?
 

(588 Wörter)

Lohnt sich ein Studium?

Herr Schroebler, Sie befassen sich seit Jahren mit der Studien- & Berufswahl. Lohnt sich eigentlich heute noch ein Studium?
CS: Das ist eine klassische Frage, und die klassische Antwort ist ein lautes Ja.

Sollte also jeder studieren?
CS: Nein, das Lebensglück ist nicht für Akademiker reserviert. Es gibt überhaupt keine schlechten Berufe, sondern nur sehr viele Berufe, die nicht zu einem passen. Wenn man allerdings von den mehr als 9.000 Studiengängen einen gefunden hat, der einen interessiert, dann sollte man auch studieren.

Aber ein Studium schützt nicht vor Arbeitslosigkeit.
CS: Da haben Sie Recht, allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Akademiker arbeitslos wird, sechsmal geringer als bei einem
Hilfsarbeiter, in den neuen Bundesländern sogar fast neunmal geringer.

Können Sie das noch anders ausdrücken?
CS: Ja, die Arbeitslosenrate unter Akademikern in den alten Bundesländern liegt bei 3,5% und in den neuen Bundesländern bei 6%. Die Arbeitslosenquote der Hilfsarbeiter ist 21,7% bzw. satte 51,2% in den neuen Bundesländern.

Ein Studium schützt also wesentlich vor Arbeitslosigkeit.
CS: Genau. Aber auch eine Lehre und ein Fachschulabschluss sind ein guter Schutz. Grundsätzlich ist es egal, ob man lernt oder studiert, hauptsache, man erwirbt eine Ausbildung und bleibt flexibel.

Würde denn ein Wirtschaftsaufschwung das Arbeitslosenproblem lösen?
CS: Nein. Völlig egal, ob wir positive oder negative Zuwachsraten haben, Hilfsarbeiter werden nicht gebraucht.

Und Akademiker?
CS: Genau umgekehrt. Die Anzahl der erwerbstätigen Akademiker steigt unabhängig vom Bruttoinlandsprodukt.

Können Sie das belegen?
CS: Ja. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung legte hier Zahlen vor, die bis 1975 zurückreichen. Dabei ist Akademikerbeschäftigung in den alten Bundesländern um fast 190% gestiegen. Der Trend ist weiterhin steigend.

Und die Zahl der arbeitslosen Akademiker auch!
CS: Das auch, aber auf sehr niedrigem Niveau. Zwischen 2002 und 2004 ist die Anzahl der arbeitslosen Akademiker um 30.000 gewachsen. Allerdings sind im gleichen Zeitraum auch 270.000 neue Arbeitsplätze für Akademiker dazu gekommen.

Und bei den anderen Berufsgruppen?
CS: Alle anderen haben Arbeitsplätze verloren. Das ist ein klarer Ausdruck einer modernen Dienstleistungsgesellschaft.

Sind denn alle neuen Arbeitsplätze auch wirklich Akademikerarbeitsplätze, oder werden Akademiker immer mehr ausbildungsfremd eingesetzt?
CS: Das ist eine weit verbreitete Annahme, die allerdings nicht stimmt.

Aber die Unternehmen bekommen doch heute einen fertigen Akademiker billiger als einen gelernten Kaufmann. Manchmal sogar kostenlos, wenn nur ein Praktikum angeboten wird!
CS: Hier sprechen Sie den besonderen Zeitraum direkt nach dem Studium an. Da haben Sie Recht, der Übergang ist nicht immer einfach, aber das ist ein temporäres Problem.

Und wie lange dauert das „temporäre Problem?“
CS: Das ist sehr unterschiedlich, aber nach fünf Jahren hat jeder seine adäquate Stelle gefunden.

Woher wissen Sie das?
CS: Aus der letzten HIS-Studie zu diesem Thema. Danach beurteilen drei Viertel aller Akademiker ihre Stellung als qualifikationsadäquat. Damit haben sich die Befürchtungen der 90er Jahre, dass die hohen Akademikerzahlen massenhafte Überqualifizierungen zur Folge haben, nicht bestätigt, im Gegenteil.

Und wie sieht es mit dem Gehalt aus?
CS: Das liebe Geld. Das hängt natürlich vom Studiengang ab und ist relativ. Die Lehrer der Primarstufe und Sonderschulen sind die zufriedensten, die Agrar- und Ernährungswissenschaftler der Fachhochschulen allerdings die unzufriedensten. Im Durchschnitt ist die knappe Hälfte mit ihrem Gehalt zufrieden. Aber das wird wohl in allen Berufsgruppen so sein und man lebt ja nicht vom Brot allein.

Das heißt, die berufliche Zufriedenheit ist viel wichtiger.
CS: Genau. Hier geht es um die Tätigkeitsinhalte, das Arbeitsklima und die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen. Damit sind zwei Drittel aller Akademiker zufrieden, eine sehr hohe Zahl.

Vielen Dank für das Interview.
CS: Vielen Dank für die Einladung.




Fremdentscheidung