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FREMDENTSCHEIDUNG |
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(878 Wörter)
Macht, was ihr wollt
Herr Schroebler, der Untertitel Ihres Buches heißt: „Studien- & Berufswahl leicht gemacht“, ist das wirklich so leicht? C.S. Nein, ist es nicht. Es gibt mehr als 9.000 Studiengänge und fast 350 anerkannte Lehrberufe. Daraus seinen Beruf zu finden, ist gar nicht so einfach.
Und was raten Sie da? C.S. Nimm die Zügel deiner Zukunft selbst in die Hand.
Was meinen Sie damit? C.S. Die allermeisten Entscheidungen für die Studien- & Berufswahl sind Fremdentscheidungen. Durch unser Elternhaus werden wir zu mehr als 50% beeinflusst, dann kommen noch die Meinungen unserer Freunde, die Modeberufe, die Schule und die Arbeitsagentur dazu. All diese äußeren Einflüsse bestimmen unsere Berufswahl erheblich, und wir merken viel zu spät, dass wir besser für uns selbst hätten denken sollen.
Können Sie ein Beispiel nennen? C.S. Ja, 54% der jungen Frauen und 35% der Männer wählen aus nur zehn verschiedenen Lehrberufen, obwohl es, wie gesagt, 360 gibt. Daran kann man sehr deutlich die Fremdentscheidung erkennen.
Und an den Hochschulen? C.S. Dort ist es nicht anders. Viele entscheiden sich für einen Studiengang, weil ihnen nichts Besseres einfällt, und wenn sie dann mit der Realität der Vorlesung konfrontiert werden, brechen sie ab.
Wie viele brechen denn ab? C.S. Nach der OECD-Studie brechen 30% ihr Hochschulstudium ab. Das ist allerdings nicht alles. Weitere 25% wechseln die Fachrichtung. Das sind Durchschnittszahlen. Bei den Phyikern brechen 36% ab und über 26% wechseln den Fachbereich (1). Grundsätzlich kann man sagen, dass sich die Hälfte für den falschen Studiengang entscheidet.
Und das alles, weil man sich fremdsteuern ließ? C.S. Ja. Die allermeisten Studien- oder Lehrabbrüche könnten vermieden werden, wenn man sich vorher besser informieren würde. Dafür muss man sich allerdings mit dem Thema und auch mit sich selbst beschäftigen. Nur einige Stunden im BIZ oder einen Tag auf der Abi-Messe, das reicht nicht aus. Man sollte für seine Studien- & Berufswahl mindestens so viel Zeit investieren wie für seinen Führerschein.
Aber ist denn ein Studienabbruch eine Katastrophe? C.S. Nein, das Leben geht weiter. Und wenn man aus Fehlern lernt, dann kann es sogar eine gute Erfahrung gewesen sein. Wichtig ist, dass man sich beim nächsten Mal besser informiert und den Mut aufbringt, für sich selbst zu entscheiden. Wer nicht für sich selbst denken und entscheiden kann, wird sein Leben lang nach der Pfeife anderer Leute tanzen müssen.
Aber eigene Entscheidungen können auch Fehlentscheidungen sein. C.S. Richtig, aber dann hat man wenigstens selbst entschieden und verliert keine Zeit damit, die Schuld immer auf andere zu schieben. Man wird auch hier aus seinen Fehlern lernen müssen, um sich das nächste Mal besser zu entscheiden. Nur wer aus Fehlern lernt, kann wachsen, und wenn er dann noch die Kraft hat, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, dann wird er noch schneller wachsen.
Aber den jungen Menschen fehlt noch die Erfahrung, sollten sie deshalb nicht besser auf die Ratschläge der Älteren hören? C.S. Da haben Sie Recht. Uns fehlt in der Jugend einfach noch die Erfahrung, deshalb müssen wir uns informieren. Die Generationen vor uns haben viel mehr Erfahrung als wir, und deshalb sollten wir sie um Rat bitten. Das ist sehr zu empfehlen. Aber auch wenn wir noch keine Erfahrung haben, ist es am Ende doch unser Leben. Es geht um uns und um unsere Zukunft. Deshalb sollte die letzte Entscheidung immer bei uns liegen.
Auch wenn sich die jungen Menschen unsicher sind? C.S. Es gibt wenige Entscheidungen im Leben, bei denen man sich ganz sicher ist. Fragen Sie einen Autodesigner, ob er sich sicher ist, dass sein neues Modell verkauft wird, oder einen Anlageberater, ob die Aktien wirklich steigen. Keiner kann sich ganz sicher sein. Unser Leben besteht nun einmal aus Entscheidungen; ja selbst, wenn wir uns nicht entscheiden, ist das eine Entscheidung.
Aber die Berufs- & Studienwahl ist eine riesige Entscheidung. C.S. Darüber besteht kein Zweifel. Deshalb sollte man sich informieren. Dafür gibt es Abiturienten- und Berufsmessen mit einer Unzahl von Vorträgen, das BIZ, Schnupperstudien, Praktika und verschiedene Bücher. Vor allem sollte man nicht vergessen, auf seinen Bauch zu hören. Der ist ein Teil von uns, der muss sich bei der Wahl wohl fühlen.
Also erst denken und dann entscheiden? C.S. Denken und fühlen, beides ist wichtig. Es geht um unsere Zukunft, und die wollen wir so glücklich wie möglich gestalten. Mit der richtigen Berufswahl schaffen wir uns ein solides Fundament.
Also doch eine Riesenentscheidung. C.S. Ja, aber ganz so schlimm ist es auch nicht. Wir leben in einer sehr dynamischen Gesellschaft, da kommt täglich neues Wissen dazu, und es gibt dadurch täglich neue Möglichkeiten. Wenn man also mit seinem Beruf nicht ganz zufrieden ist, kann man innerhalb des Berufes leicht wechseln, andere Beschäftigungen annehmen oder sich nach seinem Geschmack weiterbilden. Durchschnittlich wechselt jeder seinen Beruf viermal im Leben, das ist ganz normal. Es wäre ja auch schlimm, wenn sich nichts verändern würde. Das Leben öffnet viele Türen, reingehen müssen wir allerdings selbst.
Also ist es egal, was man lernt? C.S. Nein, damit würde man nur kostbare Zeit verschwenden. Eine Richtung sollte man bei der Studien- & Berufswahl schon haben. Feineinstellungen kann man später immer noch vornehmen. Am besten, man hält es mit Goethe: „Besser ungefähr richtig als total falsch.“
Wenn Sie der Jugend einen einzigen Rat geben könnten, was würden Sie sagen? C.S. Macht was IHR wollt, aber steht dann auch voll dahinter.
(1) HIS Studie Mai 2008
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