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DAS BERMUDA-DREIECK DER BERUFSWAHL
 

(684 Wörter)

Das Bermuda-Dreieck der Berufswahl

Im Bermuda-Dreieck passieren seltsame Dinge, bei der Berufswahl auch. Dort verschwinden riesige Schiffe, Flugzeuge und sogar ein U-Boot, und bei der Berufswahl verlassen jährlich 55.000 die Hochschule ohne Abschluss und 115.000 beenden ihre Lehre nicht.
(1)

Für die Vorfälle im Bermuda-Dreieck gibt es keine schlüssigen Erklärungen, für die massenhaften Fehlentscheidungen bei der Studien- & Berufswahl allerdings schon, denn dort kennen wir die Ecken.

Die erste Ecke besteht aus den riesigen Auswahlmöglichkeiten. Sich aus mehr als 12.000 Studienmöglichkeiten und fast 350 anerkannten Lehrberufen den richtigen rauszusuchen, ist nicht einfach.


Die zweite Ecke sind unsere Talente. Hätten wir nur ein einziges Talent, also könnten wir nur Frisör oder Lehrer für Sport und Religion werden, dann wäre alles einfach. So ist es leider nicht. Wir könnten ein guter Reitlehrer, ein guter Architekt, ein begabter Koch und ein sehr guter Fotograf sein. Wofür sollen wir uns entscheiden?
Diese beiden Unbekannten sind schon Herausforderung genug, aber dabei bleibt es nicht.

Die dritte Ecke des Bermuda-Dreiecks ist unsere mangelnde Lebenserfahrung. Wir wissen einfach zu wenig vom wirklichen Berufsleben. Was spielt sich hinter den Kulissen der Hochschulen oder Firmen ab? Werden wir dort unseren Platz finden? Können wir unsere Interessen einbringen? Sind wir gut genug?

Diese drei Ecken markieren das Bermuda-Dreieck der Studien- & Berufswahl. Dort befindet sich das Tal der Tränen, dort gehen kostbare Energie und Zeit verloren.

Aber wie kommen wir da unbeschadet durch?

Ganz einfach: Nachdem wir die gefährlichen Ecken kennen, brauchen wir nur noch einen Kompass, der uns einen sicheren Weg zeigt. Leider können wir den Kompass nirgends kaufen, wir müssen ihn uns selbst bauen. Glücklicherweise braucht er nicht jeden einzelnen Grad der Windrose anzuzeigen, eine allgemeine Richtung reicht völlig aus, denn „ungefähr richtig ist besser als total falsch“ (Goethe). Wir wollen nur sicher durch das Bermuda-Dreieck kommen, sonst nichts. Im Klartext heißt das, wir müssen ein Studium oder einen Beruf finden, bei dem wir unsere Talente einbringen können und der uns so interessiert, dass wir schon aus reiner Neugierde die Ausbildung beenden. Was nach der Ausbildung kommt, ist in unserer dynamischen Welt nicht vorhersehbar und deshalb erst einmal unwichtig.

Da unser Kompass aus Talenten und Interessen besteht, benötigen wir dazu mehr Informationen. Dabei unterscheiden wir zwischen inneren und äußeren Informationen.

Innere Informationen erfahren wir, indem wir uns einige Fragen stellen: Was sagt uns unser Bauch? Wofür würden wir morgens gerne aufstehen? Was hat uns während der Schulzeit begeistert? Wessen Tätigkeit würden wir gerne ausführen? Was wollen wir überhaupt nicht gerne tun? Was würden wir einem Zauberer sagen, wenn der uns einen Berufswunsch erfüllen könnte? Für die Antworten sollten wir uns Zeit lassen und sie unbedingt aufschreiben.

Die äußeren Informationen erhalten wir viel einfacher. Hier müssen wir nur herausfinden, ob es überhaupt ein Studium oder einen Beruf gibt, in dem wir unsere Talente und Interessen einbringen können. Wenn nicht, gibt es Alternativen? Die Antworten erhalten wir von Berufsberatern, bei Praktika, in Schnupperstudien, auf Berufsmessen, von unseren Eltern, Freunden und vielleicht auch noch von unserer weitgereisten Oma. Auch hier müssen wir die Antworten aufschreiben, denn unser Kompass besteht nicht aus Worten, sondern wir müssen ihn in den Händen halten können.

Wenn wir all diese Informationen haben, dann suchen wir uns ein ruhiges Plätzchen und bauen unseren Kompass. Die Studiengänge haben wir reduziert und unsere Talente integriert. Mit Fragen und Praktika haben wir unsere Erfahrungen erweitert, unser Kompass wird also funktionsfähig. Zum Schluss suchen wir uns unseren Kurs aus und segeln gut vorbereitet durch das Bermuda-Dreieck.

Natürlich kann es sein, dass wir in ein unvorhergesehenes Sturmtief kommen und unsere Reise plötzlich abbrechen müssen. Aber das ist nicht weiter schlimm. Diese neue Erfahrung werden wir in unseren persönlichen Kompass aufnehmen und erneut die Segel setzen. Wichtig ist, dass wir mit unserem eigenen Kompass segeln, denn es ist unser Leben. Wir sind der Kapitän und wir sind für unser Schiff verantwortlich. Durch das Bermuda-Dreieck kommen wir nicht, indem wir unseren Kopf unter Deck verstecken.

Wir müssen auf die Kapitänsbrücke, genau dort gehören wir hin, und zwar ein ganzes Leben lang.

(1) HIS Studie Mai 2008 und stat. Bundesamt




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