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BUCHAUTOR SPRICHT IM GEFÄNGNIS
 

(779 Wörter)

Buchautor spricht im Gefängnis

Der Erfolgsautor Carl Schroebler spricht über das Thema „Studien- & Berufswahl“ nicht nur in Schulen, auf Messen und in der Arbeitsagentur, er hält auch seit Jahren Vorträge in Jugendstrafanstalten. Damit ist er der einzige Autor, der regelmäßig vor Gefangenen spricht. Wir fragten nach:

Warum sprechen Sie in Jugendstrafanstalten?
(CS) Junge Menschen müssen sich orientieren, müssen ihren Weg im Leben finden. Da helfe ich.

Aber im Gefängnis?
(CS) Gerade im Gefängnis. Jeder kann falsche Entscheidungen treffen, jeder kann im Leben einmal ausrutschen, das ist nicht weiter schlimm, wichtig ist, wie schnell man wieder aufsteht.

Und wie reagieren die Häftlinge?
(CS) Genauso wie meine sonstigen Zuhörer auch, einigen ist alles egal, aber die meisten spüren, dass ich auf ihrer Seite bin, sie begreifen sehr schnell, dass ich ihnen einen Weg in eine erfüllte Zukunft zeigen kann.

Halten Sie dort einen Spezialvortrag?
(CS) Nein. Ich habe verschiedene Vorträge zu diesem Thema, einige für Eltern und Lehrer, aber die meisten für Schüler. Im Gefängnis halte ich den gleichen Vortrag wie im Gymnasium auch.

Und wie heißt der?
(CS) „Ohne Ziel sind alle Wege falsch.“

Ein Kernthema.
(CS) Genau! Wer sein Ziel nicht kennt, wird niemals ankommen, so einfach ist das. Leider ist es überhaupt nicht einfach, sein Ziel zu finden. Es gibt über 9.000 Studiengänge und zirka 350 Lehrberufe. Das schafft Verwirrung.

Wie orientiert man sich da?
(CS) Indem man das Riesenangebot völlig vergisst und sich auf sich selbst konzentriert. So erfährt man am besten, was man eigentlich am liebsten machen möchte und was einem gut von der Hand geht. Mann sucht also erst einmal seine Interessen und Talente.

So einfach ist das?
(CS) Ja. Leider werden wir alle viel zu viel von außen beeinflusst und lassen uns auch viel zu viel von außen beeinflussen.

Also Selbstfindung.
(CS) Da haben Sie Recht. Aber dieses Thema ist so alt wie die Welt, Plato sagte: „Erkenne dich selbst“ und Carl Jung forderte: „Werde, der du bist.“

Hört sich sehr philosophisch an.
(CS) Kann sein, ist es aber nicht. Es geht um die einfachen Fragen: Was tue ich gern und was liegt mir. Dazu muss man auf seinen Bauch hören, etwas über sich selbst nachdenken und, ganz wichtig, die Ergebnisse aufschreiben.

Und das kann man auch hinter Gittern?
(CS) Noch viel besser, darauf weise ich immer hin. Man ist eingesperrt, man hat Zeit, und die sollte man nutzen. Keiner kann einen daran hindern, sich mit seinen Träumen und mit seiner Zukunft zu beschäftigen. Die Häftlinge sind zwar nicht frei, aber sie können frei denken.

Diese Einsicht wird für die meisten Häftlinge neu sein.
(CS) Ja, allerdings für die meisten anderen Menschen auch. Nur wenn wir uns ernst nehmen und den Mut aufbringen, uns in den Mittelpunkt unseres Lebens zu stellen, können wir herausfinden, was wir wirklich gern machen würden. Dadurch entsteht ein Ziel, und dadurch entsteht auch die Kraft, dieses Ziel zu erreichen.

Sie machen also Mut.
(CS) Und ich zeige einen Weg auf, wie man seine Träume verwirklichen kann. Ein Stück Papier und Bleistift gibt es in jeder Zelle, man muss sich nur hinsetzen und seine Träume aufschreiben. Viele bewusste Bürger gehen auf eine Insel oder ins Kloster, um endlich diese Ruhe zu finden, im Gefängnis bekommt man sie gratis.

Also Gefängnis gleich Kloster?
(CS) Wenn Sie so wollen, man muss es allerdings als Häftling erst einmal erkennen, und das ist sehr schwierig. Die jungen Menschen leben doch dort mit anderen Häftlingen zusammen, und die sind ebenfalls auf die schiefe Bahn gekommen. Dieser Einfluss ist nicht gut.

Keine ideale Voraussetzung also.
(CS) Ist es nicht, aber seine Ziele kann man auch im Gefängnis finden. Und dann gibt es natürlich Hilfe. Jede Jugendstrafanstalt hat eine Schule, in jeder Jugendstrafanstalt kann man einen Lehrberuf lernen.

Auch ein Gymnasium?
(CS) Das natürlich nicht. Die Meisten machen ihren Hauptschulabschluss nach und alle Lehrberufe werden selbstverständlich auch nicht angeboten. Dennoch, die Lehrer dort machen eine wunderbare Arbeit, ich habe den allergrößten Respekt vor ihnen. Besonders die Lehrerinnen haben mich beeindruckt. Männliche Jugendliche im Gefängnis zu unterrichten ist eine große Herausforderung.

Dort Vorträge zu halten auch?
(CS) Eigentlich nicht. Ich mache es sehr gern. Wenn ich dort unseren Nachwuchs erreichen kann, dann schaffe ich es überall. Die Jugendstrafanstalten haben deshalb in meinem Terminkalender die allerhöchste Priorität, und dort spreche ich auch kostenlos.

Können Sie Ihren Vortrag in einem Satz zusammenfassen?
(CS) Ja, aber das überlasse ich lieber Goethe, denn mit einem seiner Zitate beende ich jeden Vortrag in der Jugendstrafanstalt: „Wovon immer du träumst, fang damit an! Mut hat Kraft, Zauber und Illusion in sich.“

Danke für das Interview.
(CS) Vielen Dank für Ihr Interesse.




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