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BERUFSWAHL IST WIE SCHUHE KAUFEN
 

(508 Wörter)

Berufswahl ist wie Schuhe kaufen


Kein Mensch würde auf die Idee kommen, Schuhe zu kaufen, ohne sie vorher anzuprobieren. Bei der Berufswahl machen wir das allerdings regelmäßig. Kein Wunder, dass wir uns Blasen holen. 55.000 brechen ihr Studium ab und 115.000 beenden ihre Lehre nicht. (1)

Beim Schuhkauf haben wir eine Vorstellung, welcher Schuh es sein soll. Entweder brauchen wir ihn zum Ausgehen, für den Sport oder als festen Straßenschuh. Bei der Berufswahl ist es nicht anders. Meistens wissen wir, ob wir etwas mit Technik machen wollen, lieber kaufmännisch arbeiten, uns die Kunst mehr zusagt oder uns der Umgang mit Menschen reizt.
Soweit so gut. Aber auf einmal trennen sich die Wege der Auswahl von Schuhen und Berufen.

Beim Schuhkauf werden wir aktiv. Wir gehen in verschiedene Schuhläden, vergleichen die Modelle, halten die Schuhe in der Hand und suchen die richtige Farbe aus.
Dann haben wir oft einen Freund oder eine Freundin zur Beratung dabei, hören auch noch auf das Urteil des Verkäufers und stellen kritische Fragen, ob die Schuhe auch wirklich wasserdicht sind oder wir damit bestimmt unsere gewünschte Sportart ausführen können.
Aber damit nicht genug, jetzt kommt noch das Wichtigste: Wir ziehen die Schuhe an. Was nutzen uns die tollsten Schuhe im Schaufenster, wenn wir uns darin nicht wohl fühlen oder sie uns sogar drücken. Ohne darüber nachzudenken sind wir uns völlig bewusst, dass wir den Schuh tragen müssen, und nicht unser Freund oder die Verkäuferin. Die mögen sagen, was sie wollen, wir müssen uns im Schuh wohl fühlen und sonst niemand.

Ganz anders verhalten wir uns bei der Studien- & Berufswahl.

Hier lassen wir uns viel zu sehr von außen beeinflussen, anstatt selbst aktiv zu werden. Unsere Eltern beeinflussen unsere Studien- & Berufswahl zu mehr als 50%. Dann kommen noch die Freunde, die Modeberufe, die Lehrer, die Medien und das BIZ dazu. Unser Frisör will uns natürlich auch noch reinreden. Sollen sie, nur am Ende sollten wir entscheiden, denn wir müssen ja jeden Morgen aufstehen wenn der Wecker klingelt.

Keine große Überraschung, dass wir bei so viel Beeinflussung die Welt nicht mehr verstehen, wenn wir in den ersten Vorlesungen sitzen und dort von Dingen gesprochen wird, die uns nun wirklich nicht interessieren. Oder wir als Tierarzthelferin geschockt sind, weil wir auf einmal die stinkenden Käfige sauber machen oder die toten Tiere entsorgen müssen, obwohl wir doch viel lieber die süßen Tierchen streicheln und ihnen helfen würden.

Und wie wählen wir nun unseren Beruf oder unser Studium aus?

Ganz einfach! Wir nehmen beim nächsten Schuhkauf Papier und Bleistift mit und schreiben uns die einzelnen Entscheidungsschritte fein säuberlich auf. Genau das Gleiche wenden wir dann auch auf unsere Berufswahl an.
Und was sagen die alten Indianer über Schuhe? „Verurteile niemals einen Mann, bevor du nicht mindestens vierzehn Tage in seinen Mokassins gelaufen bist.“ Für uns heißt das: „Wähle niemals einen Beruf aus, bevor du nicht sicher bist, dass er dich auch wirklich interessiert.“

Viel Spaß beim Schuhkauf, und Studienabbruch adiós!

(1) HIS Studie Mai 2008 und stat. Bundesamt




Das Bermuda-Dreieck der Berufswahl | Persönlichkeit (ge)fragt